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Dekarbonisierung

"Biomethan stärkt Energieunabhängigkeit"

Während die globale geopolitische Instabilität die Energiepreise weiter in die Höhe treibt, nimmt die Nachfrage nach heimisch produziertem, erneuerbarem Biogas zu. Warum Biomethan eine gute Alternative zu fossilem Erdgas darstellt und wie es Europa widerstandsfähiger gegen Energiekrisen macht, erklärt Colin Crooks, Geschäftsführer von ACT.

Mit dem Konflikt in der Golfregion verschärft sich auch die Energiekrise in Europa. Die EU ist noch immer weitgehend abhängig von importiertem Erd- und Flüssiggas, welche laut den neuesten Eurostat-Zahlen rund 85 Prozent des Bedarfs ausmachen – obwohl sich die Staatengemeinschaft seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 bemüht, unabhängiger zu werden. Die faktische Blockade der Straße von Hormus hat die Energiepreise in Europa nach oben katapultiert: Der Gaspreis auf dem niederländischen TTF-Markt hat sich seit Dezember 2025 verdoppelt.

Gleichzeitig stehen europäische Unternehmen konstant unter Druck, ihre Scope-1-Emissionen im Rahmen des EU-Emissionsrechtehandels zu senken sowie weitere Nachhaltigkeitsauflagen gemäß dem Green Deal zu erfüllen, etwa die Erstellung von Aktionsplänen für die Kreislaufwirtschaft.

Diese dreifache Belastung durch geopolitische Instabilität, steigende Gaspreise und gesetzliche Auflagen lässt Unternehmen alternative Gasquellen in Betracht ziehen und stärkt das Argument für heimisch produziertes, erneuerbares Bioerdgas (RNG). Biomethan wird aus Abfallströmen hergestellt und kann direkt ins Gasnetz eingespeist werden. Eine Energiestrategie, die Biomethan oder RNG umfasst, kann die Kosten für den Energierechtehandel – je nach Zertifizierung und angemessener Treibhausgasbilanzierung – senken, ohne dass große betriebliche Änderungen erforderlich sind.

Herausforderungen bei den Themen Energie und Klima

Colin Crooks
kann als CEO von ACT mehr als 30 Jahre internationale Führungserfahrung auf Energiemärkten sowie in den Bereichen Nachhaltigkeit und Business Transformation vorweisen. Vor seinem Wechsel zu ACT war er in verschiedenen Führungspositionen bei Shell unter anderem für erneuerbare Energien und Energielösungen in Europa zuständig. Er verwaltete Portfolios im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar und förderte die Entwicklung innovativer sauberer Energietechnologien. Colin Crooks ist dafür bekannt, effektive Strategien zu entwickeln, die den Umstieg auf erneuerbare Energien beschleunigen.

Als internationaler Vermittler und Berater für erneuerbare Energien nutzt ACT den Zugang zu internationalen Märkten, Kenntnisse der nationalen politischen und rechtlichen Landschaft sowie die Portfoliostrukturierung, um den steigenden Bedarf an Biogas zu decken. Dabei steht das Team Unternehmen nicht nur beratend zur Seite, sondern hilft ihnen bei der Umsetzung von Beschaffungsentscheidungen, die sowohl wirtschaftlich sinnvoll als auch rechtskonform sind.

„Aus meiner Sicht steht Europa bei den Themen Energie und Klima momentan vor zwei Herausforderungen: Als Kollektiv müssen wir nicht nur Emissionen senken, sondern auch die Energiesicherheit verbessern“, sagt Colin Crooks, Geschäftsführer von ACT. „Biomethan adressiert beide Ziele, weil es eine geringere CO2-Intensität aufweist und emissionsärmer ist. Es wird im Wesentlichen aus Abfallströmen hergestellt – also aus Reststoffen, die überall auf dem Kontinent entstehen. Dadurch verringert sich insbesondere die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen oder auch von importiertem Biokraftstoff.“

Momentan, so Crooks, werde die Nachfrage nach Biomethan primär durch regulatorischen Druck und freiwillige Selbstverpflichtungen zur Dekarbonisierung angetrieben – nicht so sehr durch Sorgen über eine instabile Energieversorgung. Die heimische Produktion von Bioerdgas wird die Energiepreiskrise nicht kurzfristig lösen: „Dazu gibt es schlicht nicht genügend Biogasanlagen in Europa, um fossile Brennstoffe auf nennenswerte Weise zu ersetzen.“ Dennoch wird Biogas für energieintensive Betriebe zunehmend attraktiv.

 

 

Vorteil für schwer zu dekarbonisierende Sektoren

Biomethan ist eine kohlenstoffarme Alternative zu fossilem Gas, die direkt einsetzbar ist. In der aktuellen Lage ist das ein erheblicher Vorteil für schwer zu dekarbonisierende Sektoren, die auf Hochtemperatur-Prozesswärme angewiesen sind, aber auch für die Wärmeerzeugung, den Verkehrssektor und die Containerschifffahrt. Ein weiterer wichtiger Nachhaltigkeitstreiber besteht darin, dass qualifiziertes Methan – je nach Land, Programm und Zertifizierung – die CO2-Kosten für Unternehmen reduzieren kann. Beispielsweise senkt es die Menge an benötigten EU-Emissionszertifikaten (EUA) und fördert die EU-ETS-Konformität (Art. 38 Abs. 5), wenn es mindestens der Erneuerbare-Energien-Richtlinie II entspricht.

Auch aus kreislaufwirtschaftlicher Perspektive kann Biomethan überzeugen. Biogas und Biomethan entstehen durch anaerobe Gärung, bei der organische Abfallstoffe wie Tierdung, Lebensmittelabfälle und landwirtschaftliche Reststoffe in eine kohlenstoffarme Energiequelle umgewandelt werden. Das aufgefangene Methan gelangt dementsprechend nicht durch natürliche Zersetzung in die Atmosphäre, wo es zur Erderwärmung beitragen würde.

„Es gibt Beispiele von europäischen Unternehmen, die Biomethan nutzen und für ihre Lebenszyklusanalyse heranziehen, sodass sie eine geringere Klimabilanz für ihre Produkte berichten können“, sagt Crooks. „Aus kreislaufwirtschaftlicher Sicht hat man also mehrere Optionen, Biomethan zu nutzen, weil es in Herstellungsprozessen vielfältig einsetzbar ist.“

Grünes Gas, graue Zonen
Europa produziert noch immer einen Bruchteil des Biomethans, das es für seine Klimaziele bräuchte — und Unternehmen navigieren dabei durch ein Dickicht aus Zertifikaten, Regulierung und Beschaffungsrisiken. Ein Leitfaden von ACT zeigt, wie Firmen ihre Scope-1-Emissionen mit Herkunftsnachweisen rechtssicher reduzieren können.
Zum Leitfaden

 

Schwierigkeiten bei Handel und Beschaffung

Nicht zuletzt trägt jeder in Europa produzierte und verbrauchte Kubikmeter Biomethan zur heimischen Energiesicherheit bei. In der Tat hat die Europäische Kommission Biomethan als wichtige Komponente des REPowerEU-Plans identifiziert, der als Reaktion auf die letzte Energiekrise entwickelt wurde.

Kein Wunder also, dass Deutschland als führende Industrienation Europas – die bis 2022 noch hauptsächlich von russischem Gas abhängig war – mit vielen kohlenstoffintensiven Branchen und hohem Kostendruck inzwischen mit einem Anteil von 53 Prozent an der Gesamtproduktion einer der größten Verbraucher und Produzenten von Biogas in der EU ist und hierzulande der größte Biogasmarkt beheimatet ist.

Wie kommt es dann, dass die Nutzung von Biomethan – trotz zahlreicher Pro-Argumente – in Europa nicht schneller vorankommt? Laut Crooks liegt dies vor allem an den Schwierigkeiten bei Handel und Beschaffung. „Die regulatorische Landschaft ist komplex, was die unterschiedlichen nationalen Vorschriften und die Möglichkeiten zum grenzüberschreitenden Handel angeht. Darüber hinaus hängen die Vorgaben für die Biogasproduktion vom jeweiligen Endverbrauch ab: Die Anforderungen an die Rohstoffe, die Treibhausgas-Emissionsintensität und Nachhaltigkeitserklärungen werden von dem Markt diktiert, für den das Gas bestimmt ist. Das bedeutet, dass Biomethan, das aus fortschrittlichen Rohstoffen wie Dung oder Gülle hergestellt wird und geringere Treibhausgas-Emissionen aufweisen kann, einen höheren Preis verlangt. Angesichts dieser komplexen Herausforderungen und der sich ständig ändernden Gesetze benötigen Unternehmen Unterstützung.“

Über ACT

Die Beschaffung von Biomethan auf einfache Art.

Als führender Anbieter globaler Umweltlösungen fungiert ACT als Bindeglied zwischen Einkäufern von Biomethan und Biogas und einem umfangreichen Netzwerk aus europäischen Produzenten. Als strategischer Dekarbonisierungspartner bündelt das Unternehmen Origination, Marktzugang und Portfoliomanagement zu Komplettlösungen für Biomethan – von der Beschaffung und Zertifizierung über den Vertragsabschluss und die Lieferung bis hin zur laufenden Optimierung.

Jede Zusammenarbeit beginnt damit, ein Verständnis für den Energiebedarf, die Nachhaltigkeitsziele, die technischen Hürden und das Budget des Kunden zu entwickeln. Dies bildet den Ausgangspunkt für kurz-, mittel- und langfristige Beschaffungsstrategien, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, Preisrisiken zu steuern und regulatorische Auflagen zu erfüllen.

Die internen Compliance- und Operations-Teams von ACT kümmern sich um die Zertifizierung, Vertragsabschlüsse und administrative Umsetzung und stellen so sicher, dass jede Transaktion prüfungsfähig ist und den relevanten Richtlinien entspricht.

Zudem behalten die Teams aktuelle Marktentwicklungen ständig im Blick und pflegen den Dialog zu politischen Entscheidungsträgern, um Kunden mit relevanten Informationen zu versorgen und mit Blick auf die zukünftigen Entwicklungen des Biomethan-Marktes kompetent zu beraten.

Fragmentierter Markt für Biomethan

Auch die Ökonomie der Beschaffung ist alles andere als einfach. „Wer Biomethan ausschließlich freiwillig für Prozesswärme einkauft, möchte vermutlich keinen so hohen Preis dafür bezahlen. Doch wenn man es, sagen wir in der Schifffahrt, aus Konformitätsgründen benötigt, wo man für den alternativen Kraftstoff eine Strafe von 600 Euro pro Tonne zahlt, ist es deutlich mehr wert“, erklärt Crooks.

Während europäische Länder mit der nationalen Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie III beschäftigt sind – die den Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch der EU von 32 auf 42,5 Prozent erhöht – kann das Potenzial für den grenzüberschreitenden Handel von Biomethan auf dem Kontinent nur steigen. Dennoch bleibt der aktuelle Markt fragmentiert.

Crooks erklärt, warum das so ist: „Beim grenzüberschreitenden Handel wird es weiterhin Herausforderungen geben. Diese ergeben sich aus den verschiedenen Zertifizierungssystemen und ihren jeweiligen Anforderungen, der unterschiedlichen Behandlung von subventionierten und nicht subventionierten Anlagen, den verschiedenen Registrierungssystemen sowie der Komplexität, Biomethan nahtlos von einem Land ins andere zu transportieren. Es gibt jedoch einen Silberstreif am Horizont: Die Einführung der Unionsdatenbank wird letztlich eine reibungslosere Verbringung zwischen verschiedenen EU-Mitgliedstaaten ermöglichen.“

Da die Nachfrage nach Biogas steigt und immer mehr Abfallströme hinzukommen, um diesen Bedarf zu decken, werden die Preise zwangsläufig sinken und die Komplexität wird abnehmen. „Wenn man die Kräfte des Marktes wirken lässt, sollten die Kosten für Compliance und für Biomethan generell für Unternehmen und schließlich für Länder und Gesellschaften sinken“, ist der Geschäftsführer von ACT überzeugt.

„Dies ist eine große Chance für Europa, bestehende Abfallströme für die vermehrte Produktion eines verwertbaren Kohlenwasserstoffs zu nutzen, der geringere Emissionen als fossile Brennstoffe vorweisen kann – und gleichzeitig die Energiesicherheit verbessert, die Industrie mit lokal produzierten Alternativen versorgt und den Verkehrssektor unterstützt.“


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